AuDHS und soziale Beziehungen: Wenn unterschiedliche Bedürfnisse aufeinandertreffen

Soziale Beziehungen können für Menschen mit AuDHS genauso bereichernd und wichtig sein wie für andere Menschen. Gleichzeitig können Freundschaften, Partnerschaften und andere soziale Kontakte besondere Herausforderungen mit sich bringen. Wenn Autismus und ADHS gemeinsam auftreten, können beispielsweise Kommunikation, Reizverarbeitung, Aufmerksamkeit und unterschiedliche Bedürfnisse eine Rolle spielen. Was bedeutet AuDHS? Der Begriff AuDHS beschreibt das gleichzeitige […]

Soziale Beziehungen können für Menschen mit AuDHS genauso bereichernd und wichtig sein wie für andere Menschen. Gleichzeitig können Freundschaften, Partnerschaften und andere soziale Kontakte besondere Herausforderungen mit sich bringen. Wenn Autismus und ADHS gemeinsam auftreten, können beispielsweise Kommunikation, Reizverarbeitung, Aufmerksamkeit und unterschiedliche Bedürfnisse eine Rolle spielen.

Was bedeutet AuDHS?

Der Begriff AuDHS beschreibt das gleichzeitige Vorliegen von Autismus und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung). AuDHS ist keine eigenständige Diagnose, sondern bezeichnet die Kombination einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) und ADHS. Autismus und ADHS können soziale Situationen auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Bei Autismus können beispielsweise ein Bedürfnis nach Klarheit und Vorhersehbarkeit oder Besonderheiten in der sozialen Kommunikation eine Rolle spielen. Bei ADHS können Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Impulsivität, Zeitmanagement und Organisation hinzukommen. Bei AuDHS können diese Merkmale gleichzeitig auftreten und dadurch ganz individuelle Herausforderungen im sozialen Alltag entstehen.

AuDHS und Kommunikation

Kommunikation kann bei AuDHS manchmal besonders viel Aufmerksamkeit erfordern. Menschen mit Autismus bevorzugen beispielsweise häufig eine direkte und eindeutige Kommunikation. Indirekte Hinweise, unausgesprochene Erwartungen oder mehrdeutige Aussagen können dagegen schwieriger einzuordnen sein. Bei ADHS können wiederum Schwierigkeiten entstehen, einem Gespräch über längere Zeit zu folgen, den eigenen Rededrang zu regulieren oder Gedanken nicht sofort auszusprechen. Dadurch können Missverständnisse entstehen, obwohl grundsätzlich Interesse an der anderen Person besteht. Eine direkte und möglichst klare Kommunikation kann dabei helfen, Erwartungen und Bedürfnisse besser verständlich zu machen. Gerade in engen Beziehungen kann es hilfreich sein, nicht davon auszugehen, dass die andere Person bestimmte Bedürfnisse automatisch erkennt.

AuDHS und Freundschaften

Menschen mit AuDHS können Freundschaften sehr unterschiedlich erleben. Manche bevorzugen wenige, dafür besonders enge Beziehungen, während andere größere soziale Netzwerke haben. Auch das Bedürfnis nach Kontakt kann unterschiedlich sein. Bei ADHS kann es beispielsweise vorkommen, dass Nachrichten oder Verabredungen trotz bestehendem Interesse vergessen werden. Gleichzeitig können Phasen sehr intensiven Austauschs entstehen. Für andere Menschen kann dieses wechselnde Kontaktverhalten manchmal schwer einzuordnen sein. Auch ein geringerer Kontakt bedeutet jedoch nicht automatisch weniger Interesse oder Zuneigung. Unterschiedliche Vorstellungen davon, wie häufig man sich sehen oder schreiben sollte, können offen besprochen werden.

AuDHS und Partnerschaft

Auch in romantischen Beziehungen können unterschiedliche Bedürfnisse aufeinandertreffen. Eine Person kann beispielsweise viel Nähe wünschen, während die andere nach einem anstrengenden oder reizintensiven Tag zunächst Zeit für sich benötigt. Gerade bei Autismus kann Rückzug eine wichtige Möglichkeit sein, Reize zu verarbeiten und sich zu erholen. Bei AuDHS können zusätzlich Schwierigkeiten mit Organisation und Alltagsplanung hinzukommen. Verabredungen, Haushaltsaufgaben oder gemeinsame Termine können dadurch zu einem Konfliktthema werden, obwohl beide Partner grundsätzlich dieselben Ziele verfolgen. Klare Absprachen können helfen, solche Unterschiede besser zu berücksichtigen. Wichtig ist dabei, dass Rückzug oder Schwierigkeiten bei der Organisation nicht vorschnell als Desinteresse oder mangelnde Wertschätzung interpretiert werden.

AuDHS, Reizüberflutung und Rückzug

Soziale Situationen können mit vielen Reizen verbunden sein. Gespräche, Geräusche, Menschenmengen oder körperliche Nähe können je nach Situation sehr unterschiedlich erlebt werden. Nach einer längeren sozialen oder reizintensiven Phase kann deshalb ein starkes Bedürfnis nach Ruhe entstehen. Dieser Rückzug bedeutet nicht zwangsläufig, dass kein Interesse an anderen Menschen besteht. Er kann vielmehr dazu dienen, die eigene Belastung zu regulieren und neue Energie zu gewinnen. Gerade in Partnerschaften und Freundschaften kann es deshalb hilfreich sein, offen darüber zu sprechen, wie viel soziale Nähe und wie viel Zeit für sich jeweils benötigt werden.

AuDHS und Masking in sozialen Beziehungen

Ein weiterer wichtiger Aspekt kann Masking beziehungsweise Camouflaging sein. Damit wird beschrieben, dass Menschen bestimmte Merkmale oder Verhaltensweisen bewusst oder unbewusst anpassen, um sozialen Erwartungen zu entsprechen. Eine Person kann beispielsweise soziale Verhaltensweisen bewusst nachahmen oder eigene Bedürfnisse zurückstellen, damit sie in einer Situation möglichst unauffällig wirkt. Auch ADHS-bezogene Schwierigkeiten können nach außen verborgen werden. Langfristig kann diese Anpassung sehr anstrengend sein. In engen Beziehungen kann deshalb das Bedürfnis entstehen, weniger maskieren zu müssen und die eigenen Bedürfnisse offener zu zeigen.

AuDHS und soziale Beziehungen: Bedürfnisse verstehen

Bei AuDHS müssen unterschiedliche Bedürfnisse nicht automatisch zu Konflikten führen. Entscheidend kann sein, diese Bedürfnisse wahrzunehmen und möglichst konkret zu kommunizieren. Eine Person benötigt vielleicht feste Absprachen und wenig spontane Veränderungen, während die andere mehr Flexibilität bevorzugt. Eine Person möchte nach einem anstrengenden Tag erzählen, während die andere zunächst Ruhe braucht. Solche Unterschiede können in jeder Beziehung vorkommen. Offene Kommunikation kann dabei helfen, Missverständnisse zu reduzieren. Aussagen wie „Ich brauche nach sozialen Situationen manchmal Zeit für mich“ können verständlicher sein als ein unerklärter Rückzug.

AuDHS-Diagnostik: Wenn soziale Schwierigkeiten viele Fragen aufwerfen

Wenn soziale Situationen, Reizverarbeitung, Aufmerksamkeit oder Organisation den Alltag deutlich beeinflussen und bisherige Erklärungen nicht ausreichen, kann eine AuDHS-Diagnostik sinnvoll sein. Eine diagnostische Abklärung betrachtet dabei nicht nur einzelne Symptome, sondern auch das individuelle Erleben und die Frage, wie sich autistische und ADHS-bezogene Merkmale in verschiedenen Lebensbereichen zeigen. Eine Diagnose kann dabei helfen, eigene Erfahrungen besser einzuordnen und die eigenen Bedürfnisse bewusster wahrzunehmen.

Fazit

AuDHS bedeutet nicht, dass soziale Beziehungen grundsätzlich schwierig sind. Menschen mit AuDHS können ebenso enge Freundschaften, Partnerschaften und andere erfüllende Beziehungen führen. Gleichzeitig können Kommunikation, Reizverarbeitung, Aufmerksamkeit und unterschiedliche Bedürfnisse besondere Herausforderungen darstellen. Ein besseres Verständnis der eigenen Bedürfnisse und eine klare Kommunikation können dabei helfen, Beziehungen so zu gestalten, dass unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt werden. Eine AuDHS-Diagnostik kann zusätzlich dazu beitragen, langjährige Erfahrungen besser zu verstehen und ein individuelles Bild der eigenen Stärken und Herausforderungen zu entwickeln.

AD(H)S- und Autismus-Diagnostik in der Praxis Cretulescu:

In unserer Praxis bieten wir die ausführliche Diagnostik von ASS und ADHS an, sowie auf Wunsch auch die Kombidiagnostik, bei der beide Störungsbilder parallel abgeklärt werden.

Weitere Informationen zur Diagnostik von ASS und ADHS finden Sie hier:
ADS/ ADHS Sprechstunde
Autismus-Sprechstunde 

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