AuDHS und Alltag: Warum Routinen bei Autismus und ADHS gleichzeitig wichtig und schwierig sein können

Routinen und feste Strukturen können Menschen mit AuDHS im Alltag Sicherheit und Orientierung geben. Gleichzeitig können gerade bei der Kombination aus Autismus und ADHS Schwierigkeiten entstehen, Routinen konsequent einzuhalten. Warum Routinen bei AuDHS so wichtig sein können, weshalb ihre Umsetzung trotzdem schwerfallen kann und welche Rolle Struktur und Flexibilität im Alltag spielen, erfahren Sie in […]

Routinen und feste Strukturen können Menschen mit AuDHS im Alltag Sicherheit und Orientierung geben. Gleichzeitig können gerade bei der Kombination aus Autismus und ADHS Schwierigkeiten entstehen, Routinen konsequent einzuhalten. Warum Routinen bei AuDHS so wichtig sein können, weshalb ihre Umsetzung trotzdem schwerfallen kann und welche Rolle Struktur und Flexibilität im Alltag spielen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was bedeutet AuDHS?

Der Begriff AuDHS beschreibt das gleichzeitige Vorliegen von Autismus und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung). AuDHS ist dabei keine eigenständige Diagnose, sondern bezeichnet die Kombination einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) mit ADHS. Autismus und ADHS können den Alltag auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Autistische Personen profitieren beispielsweise häufig von Vorhersehbarkeit, klaren Abläufen und festen Routinen. Bei ADHS können dagegen Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Organisation, Zeitmanagement und der Umsetzung von Vorhaben auftreten.

Bei AuDHS können diese unterschiedlichen Bedürfnisse gleichzeitig vorhanden sein. Dadurch kann ein scheinbarer Widerspruch entstehen: Eine Person kann einerseits sehr stark von Struktur und festen Routinen profitieren, andererseits aber Schwierigkeiten damit haben, diese Struktur im Alltag zuverlässig aufrechtzuerhalten.

Warum sind Routinen bei Autismus und AuDHS wichtig?

Für viele autistische Menschen können feste Routinen und vorhersehbare Abläufe eine wichtige Orientierung im Alltag darstellen. Wenn bekannt ist, was als Nächstes passiert, müssen weniger unerwartete Situationen verarbeitet und weniger spontane Entscheidungen getroffen werden. Dadurch kann ein strukturierter Tagesablauf als entlastend erlebt werden. Eine feste Morgenroutine kann beispielsweise dabei helfen, den Start in den Tag überschaubar zu gestalten. Wenn die einzelnen Schritte jeden Morgen ähnlich ablaufen, muss weniger überlegt werden, was als Nächstes zu tun ist. Auch beim Schlafen, Essen, Arbeiten, Lernen oder im Haushalt können wiederkehrende Abläufe Orientierung geben. Veränderungen und unerwartete Ereignisse können dagegen zusätzliche Belastung verursachen. Wenn eine gewohnte Routine plötzlich nicht mehr möglich ist, muss nicht nur mit der Veränderung selbst umgegangen werden. Gleichzeitig muss häufig kurzfristig eine neue Lösung gefunden und der bisherige Ablauf angepasst werden.

Dabei ist wichtig, dass Autismus ein Spektrum ist und nicht alle autistischen Menschen dasselbe Bedürfnis nach Routinen oder Vorhersehbarkeit haben. Manche Menschen benötigen sehr klare Strukturen, während andere deutlich flexibler mit Veränderungen umgehen können.

Warum können Routinen bei ADHS schwierig sein?

Bei ADHS können andere Herausforderungen im Vordergrund stehen. Viele Menschen mit ADHS wissen sehr genau, was sie erledigen möchten oder sollten, haben aber Schwierigkeiten damit, eine Handlung tatsächlich zu beginnen, ihre Aufmerksamkeit darauf zu halten oder eine Aufgabe zu Ende zu führen. Das kann auch die Umsetzung von Routinen betreffen. Eine Person mit ADHS kann beispielsweise festlegen, jeden Morgen eine bestimmte Morgenroutine einzuhalten. An manchen Tagen funktioniert dies problemlos. An anderen Tagen wird sie durch eine andere Tätigkeit abgelenkt, verliert das Zeitgefühl oder beginnt spontan etwas anderes. Auch Aufgaben, die als langweilig, wenig interessant oder wenig stimulierend erlebt werden, können besonders schwerfallen. Eine Routine kann daher grundsätzlich sinnvoll sein und trotzdem nicht jeden Tag zuverlässig umgesetzt werden.

Bei ADHS können insbesondere die Bereiche Zeitmanagement, Organisation, Priorisierung und Handlungsinitiierung eine Rolle spielen. Dadurch kann es schwerfallen, eine Routine nicht nur zu planen, sondern sie tatsächlich regelmäßig in den Alltag zu integrieren.

AuDHS: Wenn Struktur wichtig ist, aber schwer eingehalten werden kann

Bei AuDHS treffen diese unterschiedlichen Herausforderungen aufeinander. Das kann dazu führen, dass Struktur und Routinen gleichzeitig als besonders hilfreich und besonders schwierig erlebt werden. Eine Person mit AuDHS kann beispielsweise den Wunsch haben, jeden Tag nach einem bestimmten Ablauf zu gestalten, weil ihr dies Sicherheit und Orientierung gibt. Gleichzeitig können ADHS-bedingte Schwierigkeiten mit Zeitmanagement, Aufmerksamkeit oder Handlungsinitiierung dazu führen, dass die geplante Routine nicht umgesetzt wird.

Daraus kann ein Gefühl entstehen, das viele Betroffene als widersprüchlich erleben: „Ich brauche Struktur, aber ich schaffe es trotzdem nicht immer, meine Routinen einzuhalten.“ Diese Schwierigkeiten sollten nicht vorschnell als mangelnde Disziplin oder fehlende Motivation interpretiert werden. Vielmehr kann es hilfreich sein, zu betrachten, ob eine Routine tatsächlich zu den individuellen Bedürfnissen passt und wie sie gestaltet ist.

Warum können Veränderungen bei AuDHS besonders anstrengend sein?

Veränderungen können bei AuDHS aus unterschiedlichen Gründen herausfordernd sein. Autistische Merkmale können dazu führen, dass unerwartete Veränderungen oder Abweichungen von gewohnten Abläufen als belastend erlebt werden. Parallel können jedoch ADHS-bedingte Schwierigkeiten mit Planung und Organisation die Anpassung an eine neue Situation erschweren.

Ein Beispiel wäre eine kurzfristige Änderung im Arbeits- oder Studienplan. Die Veränderung selbst kann bereits zusätzlichen Stress verursachen. Gleichzeitig muss möglicherweise spontan neu organisiert werden, wann bestimmte Aufgaben erledigt werden, wann man losgehen muss oder welche anderen Termine verschoben werden müssen. Für Menschen mit AuDHS kann eine solche Situation deshalb deutlich mehr mentale Energie erfordern als für Menschen, denen Veränderungen und spontane Umplanung leichterfallen.

Welche Routinen helfen bei AuDHS im Alltag?

Hilfreiche Routinen müssen nicht besonders umfangreich oder streng sein. Gerade bei AuDHS kann eine einfache und überschaubare Struktur leichter umzusetzen sein als ein detaillierter Tagesplan, der zahlreiche einzelne Vorgaben enthält. Eine Möglichkeit besteht darin, einige feste Ankerpunkte im Alltag zu etablieren. Dazu können beispielsweise eine möglichst konstante Aufstehzeit, regelmäßige Mahlzeiten oder eine feste Schlafenszeit gehören. Zwischen diesen Ankerpunkten bleibt ausreichend Spielraum für individuelle Bedürfnisse und spontane Veränderungen. Auch visuelle und digitale Unterstützung kann bei AuDHS hilfreich sein. Kalender, Erinnerungen, Checklisten oder andere externe Strukturierungshilfen können dabei unterstützen, Aufgaben nicht ausschließlich im Kopf behalten zu müssen. Dadurch wird ein Teil der Organisation nach außen verlagert. Ebenso kann es sinnvoll sein, Routinen in kleine und überschaubare Schritte aufzuteilen. Je weniger Energie für die Planung und Organisation einer Routine benötigt wird, desto leichter kann sie im Alltag umgesetzt werden.

Was tun, wenn Routinen bei AuDHS nicht funktionieren?

Wenn eine Routine immer wieder nicht umgesetzt werden kann, bedeutet das nicht automatisch, dass mehr Disziplin erforderlich ist. Stattdessen kann es sinnvoll sein, die Routine selbst zu überprüfen. Vielleicht enthält sie zu viele einzelne Schritte oder die zeitlichen Vorgaben sind unrealistisch. Vielleicht wird sie regelmäßig durch andere Anforderungen unterbrochen oder bietet zu wenig Flexibilität. Möglicherweise sind auch zusätzliche Erinnerungen oder andere externe Hilfen notwendig. Gerade bei AuDHS kann es hilfreich sein, Routinen an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, anstatt sich an einer Vorstellung davon zu orientieren, wie ein „perfekt organisierter“ Alltag aussehen sollte.

Die entscheidende Frage kann daher lauten: Welche Struktur unterstützt mich im Alltag und welche Struktur erzeugt zusätzlichen Druck?

AuDHS im Alltag: Nicht jede Schwierigkeit ist von außen sichtbar

Menschen mit AuDHS können nach außen sehr organisiert wirken und trotzdem erhebliche Anstrengungen benötigen, um ihren Alltag zu bewältigen. Eine Person kann beispielsweise einen gut strukturierten Kalender führen, zahlreiche Erinnerungen verwenden und ihre Termine zuverlässig einhalten. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass ihr die Organisation leichtfällt. Auch die Aufrechterhaltung von Routinen kann viel Energie kosten. Deshalb ist es wichtig, bei AuDHS nicht ausschließlich darauf zu schauen, wie gut eine Person ihren Alltag von außen organisiert. Ebenso relevant ist die Frage, wie viel Anstrengung und Energie dafür notwendig sind.

AuDHS-Diagnostik: Wann kann eine Abklärung sinnvoll sein?

Wenn Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Organisation, Reizverarbeitung, Routinen, sozialen Situationen oder Veränderungen den Alltag deutlich beeinflussen, kann eine diagnostische Abklärung auf Autismus und ADHS sinnvoll sein. Insbesondere wenn der Eindruck entsteht, dass die eigenen Erfahrungen durch eine alleinige ADHS-Diagnose oder eine alleinige Autismus-Diagnose nicht vollständig erklärt werden, kann eine differenzierte diagnostische Betrachtung hilfreich sein. Eine professionelle AuDHS-Diagnostik betrachtet dabei nicht nur einzelne Symptome. Entscheidend ist vielmehr, wie sich autistische und ADHS-bezogene Merkmale im individuellen Alltag zeigen und welche Auswirkungen sie auf verschiedene Lebensbereiche haben.

Fazit: AuDHS zwischen Struktur und Flexibilität

AuDHS kann im Alltag mit einem besonderen Spannungsfeld verbunden sein. Struktur und Routinen können Sicherheit und Orientierung geben, gleichzeitig kann es schwerfallen, diese Routinen zuverlässig einzuhalten. Während autistische Merkmale häufig mit einem Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit und festen Abläufen verbunden sein können, können ADHS-bezogene Schwierigkeiten bei Organisation, Aufmerksamkeit und Handlungsinitiierung die Umsetzung erschweren. Hilfreich können deshalb Routinen sein, die einfach, übersichtlich und flexibel gestaltet sind. Ziel muss nicht ein perfekt durchstrukturierter Alltag sein. Vielmehr geht es darum, eine individuelle Balance zwischen Struktur, Vorhersehbarkeit und Flexibilität zu finden. Wenn Sie sich in den beschriebenen Situationen wiedererkennen und sich fragen, ob Autismus, ADHS oder AuDHS hinter Ihren Alltagserfahrungen stehen könnte, kann eine diagnostische Abklärung dabei helfen, die eigenen Erfahrungen besser einzuordnen.

AD(H)S- und Autismus-Diagnostik in der Praxis Cretulescu:

In unserer Praxis bieten wir die ausführliche Diagnostik von ASS und ADHS an, sowie auf Wunsch auch die Kombidiagnostik, bei der beide Störungsbilder parallel abgeklärt werden.

Weitere Informationen zur Diagnostik von ASS und ADHS finden Sie hier:
ADS/ ADHS Sprechstunde
Autismus-Sprechstunde 

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