Viele erwachsene Autist*innen berichten von einem starken inneren Widerstand gegenüber alltäglichen Anforderungen, selbst dann, wenn sie diese Aufgaben eigentlich gern erledigen würden. Dieses Phänomen wird als Pathological Demand Avoidance (PDA) bezeichnet und gewinnt in der Autismusforschung zunehmend an Aufmerksamkeit.
Was ist Pathological Demand Avoidance (PDA)?
“Pathological Demand Avoidance” (PDA) beschreibt ein Verhaltensmuster, bei dem Anforderungen, selbst kleine, alltägliche oder selbstgewählte, einen starken Stress- oder Widerstandsauslöser darstellen. Betroffene Personen erleben teilweise alltägliche Anforderungen nicht als neutral, sondern als Bedrohung ihrer Autonomie, was zu folgendem führen kann:
- intensive Vermeidung von Aufgaben
- starke emotionale Reaktionen auf Erwartungen anderer
- das Gefühl, unter Druck „einzufrieren“ oder zu blockieren
- kreative Strategien, um Anforderungen auszuweichen
- Schwierigkeiten, Routinen aufrechtzuerhalten
- Überlastung bei plötzlichen Veränderungen oder sozialen Erwartungen
PDA wird häufig im Zusammenhang mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) diskutiert. Es ist jedoch keine offizielle Diagnose, sondern ein beschreibendes Profil, das helfen kann, bestimmte Erlebenswelten besser zu verstehen.
PDA im Erwachsenenalter – warum wird es oft übersehen?
Viele Erwachsene haben gelernt, ihre PDA-Anteile zu kompensieren. Allerdings kann der Stress, der mit der pathologischen Vermeidung von Aufgaben einhergeht, zu sozialen und beruflichen Schwierigkeiten und starken Überforderungsgefühlen führen. Typische Gründe, warum PDA erst spät erkannt wird:
- Masking (Kompensation autistischer Merkmale)
- Verwechslung mit „Prokrastination“, „Faulheit“ oder „Oppositionalität“
- Überschneidungen mit ADHS-Symptomen
- gesellschaftlicher Druck, „funktionieren“ zu müssen
Wie hängen PDA, Autismus und ADHS zusammen?
Viele Erwachsene mit PDA-Profil berichten gleichzeitig von:
- Reizüberflutung
- Exekutiven Funktionsstörungen (Planung, Antrieb, Organisation)
- sozialer Erschöpfung
- Perfektionismus und Angstreaktionen
- ADHS-Symptomen, die das System zusätzlich belasten
Je komplexer diese Überlappungen sind, desto wichtiger ist eine differenzierte Diagnostik.
Fazit: PDA verdient mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit
Pathological Demand Avoidance ist kein „Widerstand aus Prinzip“, sondern Ausdruck eines tiefen inneren Spannungszustands. Oftmals wird übersehen, dass diese Zustände mit einem neurodivergenten Bewusstseinsmuster zu tun haben und nicht aus Faulheit oder prinzipiell niedriger Motivation resultieren.
Eine professionelle Diagnostik in unserer Praxis kann helfen, individuelle Muster zu verstehen und Wege zu finden.
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